Bluten ist kein Privileg und sollte auch kein Luxus sein!

Ich hoffe, ihr habt heute alle brav eure Bürgerpflicht getan und wart wählen. Wenn ihr bis Dienstag euch zusätzlich ein paar mehr Punkte in eurer Karmabank als moralisch-guter Mensch sammeln wollt, dann habe ich etwas für euch. Das hier ist der Link zu einer Petition, die die Welt – oder zumindest Deutschland – für 50 % der Bevölkerung etwas besser machen könnte und ihr könnt euch daran aktiv beteiligen:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_02/_09/Petition_91015.nc.html

Die Petition „Unterschreib für deine Scheide“ ging von einhorn und NEON aus und fordert, dass Periodenprodukte nicht mehr mit der Luxussteuer besteuert werden, sondern mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7%.

Ich kann mir gut vorstellen, während ich diese Bitte an euch formuliere, diese Petition, der zu diesem Zeitpunkt noch um die 17.000 Stimmen fehlen, zu unterschreiben, sich beim Lesen drei Lager bilden werden. Lager Nummer 1 ist die Fraktion „Selbstverständlich unterschreibe ich diese Petition, Periodenprodukte, wie Tampons, Binden, Slipeinlagen (für die Unwissenden: ja zwischen Binden und Slipeinlagen besteht ein Unterschied) und Menstruationstassen sind kein Luxusgut“. Lager Nummer 2 wird sich fragen „Schön und gut, aber ich verstehe nicht ganz, worum es geht, kann mir jemand das noch einmal genauer erklären?“ – gerne dazu komme ich noch. Und Lager Nummer 3 „Wenn ich nicht blute, weshalb sollte ich diese Petition unterschreiben?“ – packen wir doch diese Frage zur Frage von Lager Nummer 2 und fahren für die Zweifler unter euch fort.

@trophywifeparty
@trophywifebarbie

Wenn ihr männlich seid und das Glück hattet, irgendwann einmal in eine miese Schläger- oder Messerstecherei verwickelt gewesen zu sein, dann könnt ihr, glaube ich, das Gefühl nachvollziehen, wie es ist, sich zu denken „Boah, richtig kacke mit der Blutung, die lässt sich einfach nicht stoppen, ich kann nichts dagegen machen – voll unfair, dass diese Person ihr Messer einfach so in meinen Körper gerammt hat und ich jetzt einfach nicht aufhöre, diese gottdämliche rote Flüssigkeit zu verlieren und dabei noch Rückenschmerzen des Todes erleide“.

Ungefähr so geht es jeder Frau, die einmal im Monat wider Willen zu bluten anfängt und der Blut unaufhaltsam ins Höschen fließt. Wenn sie nicht gerade das Glück hat die Minipille – die übrigens genauso vollgepumpt ist mit Hormonen wie die normale Pille – durchzunehmen und aufgrund dieser Tatsache nicht ihre Periode bekommt.

Was tut man also gegen die Periode?

Ein nicht sehr weiser Twitterer meinte mal „hold your bladder“, dabei ist die weibliche Blase gar nicht das Problem, sondern die Schleimhäute, die sich jeden Monat neuregenerieren, die Eizellen, die abgehen müssen, usw. Hinter der weiblichen Periode steckt ein ganzes System, das mit Zwischenblutungen, großen Schmerzen und wahrscheinlich Satan höchstpersönlich zu tun hat.

Gegen seine Periode kann man nun mal nichts tun, genauso wenig gegen Zwischenblutungen. Von daher verlässt man sich auf Tampons, Binden, Slipeinlagen und Menstruationstassen – hofft darauf, wenn man auf dem Bett des festen Freundes sitzt oder eine weiße Hose trägt, dass niemand das Bluten bemerkt, man einen roten Fleck hinterlässt und die vier bis acht Tage des 28-tägigen Zyklus genauso schnell enden wie Trumps Präsidentschaft. Beides ist wohl eher eine utopische Wunschvorstellung.

Tampons, Binden, Slipeinlagen und Menstruationstassen – egal wofür man sich als Frau entscheidet, sind also ein monatliches Muss, für das man monatlich viel zu viel Geld ausgibt. Möchte man einen bequemsitzenden Tampon oder eine Slipeinlage, die beim Wechseln nicht jedes Schamhaar einzeln mit herausreißt und man ein Bikiniwaxing bekommt, für das man eigentlich nicht bezahlt hat. Die Wunde nach der Messerstecherei will man ja auch lieber mit einer ordentlichen Bandage versiegeln, als mit einlagigem, kratzigem Toilettenpapier, oder? Also mein Punkt: Ziemlich scheiße, wenn man für etwas bezahlen muss, für das man nichts kann oder? Die einzige richtige Antwort hier ist ein „ja“ in egal welcher Sprache.

Aber was haben die Preise von Tampons, Binden, Slipeinlagen und Menstruationstassen zu tun?

Luxussteuer, meine Freunde, bedeutet, dass Schmuck, Tabak und Genusswaren, die eben als Luxus betitelt werden, teurer sind, weil sie nun mal Luxus sind. Ich kann mich bewusst entscheiden, Zigaretten zu rauchen, Goldschmuck zu tragen und eine Flasche Vodka auf Ex zu trinken. Bluten oder nicht bluten? – Das kann ich jedoch nicht bewusst entscheiden, weil es einfach passiert. See my point? Deswegen die Frage: Weshalb müssen 50 % der Gesellschaft für etwas bluten (Wortwitz!), das sie nicht verhindern können und das bei weitem – was euch nach meinen ausführlichen Erklärungen bewusst geworden sein müsste – kein Privileg ist. Eine Frau zu sein und einmal im Monat zu bluten, seine Periode zu haben, Rückenschmerzen, Unterleibskrämpfe, PMS und vieles mehr ist weder Privileg noch Luxus! Ausrufezeichen. Was für eine Ungerechtigkeit ist es dann bitteschön, ein Grundbedürfnis als Luxus zu betiteln? Besonders dann, wenn man die Periode, wie Hunger und Müdigkeit, nicht einfach aufhalten kann?

Und by the way in vielen westlichen Ländern, bspw. England, die doch eigentlich so fortschrittlich sind, haben wir aufgrund dieser Tatsache noch immer Periodenarmut. Mädchen aus ärmeren Familien verpassen Monat für Monat Unterricht, weil sie sich Periodenprodukte nicht leisten können und verpassen dadurch die Chance, genauso gut ausgebildet zu sein wie ein Junge. Doch nicht so fortschrittlich, was?

Also Lager Nummer 2, ich weiß die Erklärung war nicht ausführlich genug, aber ihr könnt gerne auf dem Instagramaccount von @einhorn.berlin oder @einhorn.period vorbeischauen und euch da genauer informieren lassen. Und Lager Nummer 3: Ihr habt das Glück, als Penisträger geboren zu sein und damit unter anderem zu einer privilegierten Klasse als Uterusträgerinnen zu gehören, aber ihr habt Mütter, kleine Schwestern oder eine feste Freundin, die jeden Monat denselben Schmerz durchleiden und dafür auch noch bezahlen dürfen. Also tut den Frauen in eurem Leben etwas Gutes, sammelt Punkte für eure Karmabank und unterzeichnet diese Onlinepetition – es braucht ja auch nicht lange. Hier ist noch einmal der Link:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_02/_09/Petition_91015.nc.html

Unterschreibt. Gracias.

Und wenn euch mein Feminismus-Rage, die Argumente von einhorn und meine Appelle an euren Gerechtigkeitssinn nicht überzeugt haben – dann stellt euch einfach vor wie Jens Spahn über Binden, Slipeinlagen, Tampons und Menstruationstassen (geklaut bei Margarete Stokowski, weil zutreffend) reden muss und unterschreibt für eine gute Comedyshow. Ansonsten habt ihr keinen Humor, keinen Anstand oder beides.

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