Patrick Modiano – Im Café der verlorenen Jugend

„Nirgends wird Paris so wehmütig, so schön und so französisch besungen“ – Alex Capus

@wortkulisse
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Patrick Modianos „Im Café der verlorenen Jugend“ ist eine sehr gefühlvolle und sehr französische Geschichte über die Spur einer geheimnisvollen, jungen Frau. Selten hat ein Romantitel die Atmosphäre eines Buches so eingefangen wie dieser. Modiano ist einer meiner Lieblingsautoren, ich vergöttere den Literaturnobelpreisträger mit all seinen Eigenarten und Obsessionen. Eine Leidenschaft teile ich mit dem Franzosen: Paris.

„Ich habe immer geglaubt, dass manche Orte Magnete sind und dass man angezogen wird, sobald man in ihre Nähre kommt. Und zwar auf unmerkliche Weise, ohne dass man etwas ahnt. […] Mir scheint, das Condé besaß […] diese magnetische Kraft“

Romantisch und melancholisch berichtet er vom Verschwinden der Jugend und von der Suche nach Jacqueline Delanque alias „Louki“ im Paris der 60er Jahre. Ganz selbstverständlich taucht die mysteriöse Frau eines Tages im Café Condé, welches im berühmten Viertel Saint-Germain-des-Près liegt auf. Drei Ich-Erzähler versuchen Jacqueline zu (be-)greifen und lassen sich, wie wir Leser, auf ihre Geschichte ein. Jedoch bleibt die Frau bis zum Schluss ein (unlösbares) Rätsel.

 „Noch heute passiert es mir, dass ich abends eine Stimme höre, die meinen Vornamen ruft, auf der Straße. Eine heisere Stimme. […] und ich erkenne sie sofort: Loukis Stimme. Ich drehe mich um, aber da ist niemand.“

Die wunderbare Kulisse im Hinter-, die Erinnerung an eine Liebe und ein Paris im Mittelpunkt. Modiano erschafft durch die Schwerelosigkeit seiner Protagonisten und Sprache „schwebende Prosa“. Der Autor selbst ist meiner Meinung nach ein Meistererzähler. „Im Café der verlorenen Jugend“ ist ein wunderbar-melancholischer Geniestreich über verlorene Adoleszenz und Sehnsüchte.

Mittendrin Menschen, die noch keine Vergangenheit haben, die von Kunst träumen und Literatur verfallen sind, keine Verpflichtungen eingehen und verschwinden. In Paris, der schnelllebigen Künstlerstadt sind Erinnerungen, Geliebte und Louki genauso unauffindbar, wie das Café Condé, das schon vor langer Zeit geschlossen wurde.  Das Gefühl von Heimatlosigkeit ist das, was beim Schließen dieses Romans übrigbleibt.

Bonjour Tristesse!

„Es ist soweit. Lass dich fallen.“ und in die Stadt der Einsamen und Liebenden entführen.


„Im Café der verlorenen Jugend“ gibt es bei Hanser und bei Amazon.


 

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