OH MY PORN: Schwedische Regisseurin, Erika Lust, und die feministische Pornoindustrie

Und schon mal Pornostatistiken gecheckt? Nein? Dann wird es höchste Zeit!

Schaut man sich die Pornhub Statistik von 2016 an, muss man sich mit unliebsamen Begriffen, wie Teen und Milf, und den Vorstellungen was vor Computern weltweit so passiert, auseinandersetzen. Gibt es eine Alternative, zu den langweiligen, billigen und oft sehr sexistischen, herunterreduzierten Filmen der Mainstream Pornoszene?

Bei meiner Recherche bin ich dann schließlich auf die schwedische Pornoregisseurin Erika Lust, eine der wichtigsten Stimmen der feministischen Pornoindustrie gestoßen, die Menschen unverfälscht mit der Kamera einfängt. Von der Plus-Size Persönlichkeit über ältere Leute bis hin zu zwei Männern, die miteinander schlafen, ist jeder und für jeden etwas dabei.

Nach ihrem Studium der Gender Studies und Politikwissenschaft ging Erika Lust nach Barcelona und begann dort Pornofilme zu drehen. Es sind aber keine Pornos, in denen Frauen nur zum sexuellen Vergnügen des heterosexuellen Mannes gezeigt werden. Nein, sie haben selbst Spaß daran. Für Erika Lust sind Pornofilme, besonders für junge Menschen wichtig, um so über die vielen verschiedenen Facetten der Sexualität zu erfahren. Anders als die Filme von Erika Lust zeigen die meisten Pornos noch immer eine verfälschte Darstellung von Sexualität und illustrieren ein eher diskriminierendes Bild der Frau. Das will die schwedische Regisseurin mit ihren Filmen ändern.

„Sex can be dirty, but the values have to be clean.“ – Erika Lust

Frauen machen mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung aus und sind großer Bestandteil der Pornoindustrie. So haben Frauen das Recht ihre Ideen und Gedanken über Sex frei zu äußern und das bedeutet, dass sie ebenso ihre sexuellen Fantasien ausleben und diese auch mitteilen dürfen. Es gibt noch immer einen sehr großen Bedarf an Frauen in der Pornoindustrie. Genau deswegen dreht Erika Lust Filme, die versuchen die Sichtweise der Gesellschaft auf Sexualität ändern. Sie zeigt mit ihren Filmen, dass Sex sehr schön sein kann, aufregend, wunderbar und vor allem sehr positiv. Es sind Filme, in denen Frauen nicht nur Sexobjekt sind, sondern komplexe, sexuelle Wesen, mit eigenen Vorstellungen und Leidenschaften, die Respekt verdienen, auch wenn sie nackt sind. Aber auch die Männer sind nicht nur gefühllose Sexmaschinen.  

Es gibt schon lange sehr viele gute, weibliche Pornofilmregisseurinnen, Vex Ashley, Ovidie, Jennifer Lyon Bell, Sonya JF Barnett und Jacky St James, nur um eine paar Namen zu nennen. Das zeigt, dass die feministische Bewegung in der Pornoindustrie stärker denn je ist. Jetzt wäre es an der Zeit für offene Gespräche über Sex und die Darstellung von Sex in den Medien sowie in Pornofilmen. Erika Lust suggeriert mit ihren Filmen, dass Sex etwas Normales, Alltägliches und auch sehr Schönes ist.

Schade, dass wir bei all den fortschrittlichen Bewegungen in unserer Gesellschaft (zunehmend mehr Rechte für Frauen und LGBTQ-Menschen) immer mehr auf radikalere Denkweisen, wie Pegida, AfD und Front National stoßen. Umso wichtiger ist es, dass Menschen, wie Erika Lust, mit dem, was sie machen, nicht aufhören. So ist das Werk „XCofessions“ eines, das eine Bekenntnis an Freiheit und Liebe ist. Dabei stellt die Künstlerin und Regisseurin Fantasien, Erinnerungen und Geschichten von Menschen auf der ganzen Welt dar. Die „XConfessions Films“ sind das Resultat aus den eingesendeten Geschichten. Die Kurzfilme portraitieren einfühlsam die erotische und intime Welt fremder Menschen. So wird aus Fantasien Realität.

Und überzeugt?

Hier gibt es eine Liste feministischer Pornofilme.

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